Chemolumineszenz mit Luminol
- Details
- Veröffentlicht am Freitag, 28. Januar 2011 06:52
- Geschrieben von Manfred Seidl
Versuchsbeschreibung:
Eine Luminol-Lösung und eine Kaliumhexacyanoferrat(III)/Wasserstoffperoxid-Lösung werden in einem abgedunkelten Raum in ein großes Reaktionsgefäß gegossen.
Verwendete Chemikalien:
| Chemikalie | Symbole | EUH- / H- / P-Sätze | Menge |
|---|---|---|---|
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Luminol, C8H7N3O2
Synonyme: 5-Amino-2,3-dihydrophthalazin-1,4-dion, 3-Aminophthalsäurehydrazid
CAS-Nr.: 521-31-3 WGK: 3
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Achtung |
H315: Verursacht Hautreizungen. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H335: Kann die Atemwege reizen. P261: Einatmen von Staub/Rauch/Gas/Nebel/Dampf/Aerosol vermeiden. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
0.28g |
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Natronlauge 30%, NaOH
Synonyme: Natriumhydroxidlösung 30%
CAS-Nr.: 1310-73-2 WGK: 1 |
Gefahr |
H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen. P301 + P330 + P331: BEI VERSCHLUCKEN: Mund ausspülen. KEIN Erbrechen herbeiführen. P309 + P310: BEI Exposition oder Unwohlsein: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
4.6mL |
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Kaliumhexacyanoferrat(III), K3[Fe(CN)6]
Synonyme: Blutlaugensalz rot, Ferricyankalium, Kaliumcyanoferrat(III), Kaliumeisen(III)-cyanid
CAS-Nr.: 13746-66-2 WGK: 2 |
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- |
0.89g |
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Wasserstoffperoxid 30%, H2O2
Synonyme: Perhydrol, Wasserstoffsuperoxid
CAS-Nr.: 7722-84-1 WGK: 1 |
Gefahr |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H318: Verursacht schwere Augenschäden. P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
5mL |
Verwendete Geräte, Versuchsaufbau:
Zwei 1L Flaschen aus Kunststoff, zwei 300mL Erlenmeyerkolben, Trichter, Stativ mit Schlauchwicklung, Auffangbehälter
Reaktionsgleichung:

Folgender Reaktionsmechanismus wurde für die Luminolreaktion vorgeschlagen:

Kurzerleuterung:
Bei diesem Experiment wird Luminol, welches alkalisch gestellt wurde, als Leuchtmittel benutzt. Das Wasserstoffperoxid dient als Oxidationsmittel. Das Luminol (5-Amino-2,3-dihydro-phthalazin-1,4-dion) bildet mit dem Wasserstoffperoxid (H2O2) ein zyklisches Peroxid. Das Peroxid zerfällt und Stickstoff (N2) wird freigesetzt. Dabei bildet sich mit der Natronlauge das Natriumsalz der 3-Aminophthalsäure (Dicarbonsäure), welches sich im angeregten Zustand befindet. Die dadurch enthaltene Energie wird in Form von Licht abgegeben. In dieser Zeit leuchtet die Lösung! Um die Leuchtkraft zu verstärken, wurde ein Schwermetallkation zugesetzt. In diesem Fall Eisen(III) aus Kaliumhexacyanoferrat(III).
Eine ausführliche Erklärung finden Sie hier.
Versuchsdurchführung:
Lösung A: In eine 1L Flasche werden 0.28g Luminol und 4.6mL Natronlauge 30% gegeben und mit warmen Wasser gelöst und auf 1L aufgefüllt.
Lösung B: In eine weitere 1L Flasche werden 0.89g Kaliumhexacyanoferrat(III) und 5mL Wasserstoffperoxid 30% gegeben und mit Wasser auf 1L aufgefüllt.
Nun werden jeweils von Lösung A und B 150mL in die Erlenmeyerkolben verbracht und im Trichter der Apparatur zusammen gegossen (Raum verdunkeln!).
So sieht es aus:
Video:
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Entnommen aus: »
Chemolumineszenz – Ausgewählte Versuche und ihr theoretischer Hintergrund« Facharbeit im Fach Chemie von Matthias Pritschet, Gymnasium Beilngries, Kollegstufenjahrgang 2007/09
Die Reaktion findet hauptsächlich am Luminolmolekül statt. Sie lässt sich dabei in mehrere Schritte einteilen.
Im ersten Schritt werden die beiden NH-Gruppen des Luminols durch die Hydroxidionen deprotoniert (Abb. 1). Die Hydroxidionen entstammen dabei der zugesetzten Natronlauge.

Im zweiten Schritt findet eine Redoxreaktion statt:

Dabei wird ein H2O2-Molekül zu zwei Hydroxidionen reduziert. H2O2 reagiert also als Oxidationsmittel. Im Zuge der Redoxreaktion werden die beiden negativ geladenen Stickstoffatome oxidiert. Sie geben jeweils ein Elektron ab. Da beide N-Atome nun jeweils ein ungepaartes Elektron in der Valenzschale besitzen, bildet sich zwischen ihnen eine π-Bindung aus. Sie sind also nun über eine Doppelbindung verbunden (Abb. 2).

Im nächsten Schritt greift – ausgehend von einer mesomeren Grenzstruktur – ein H2O2 -Molekül nukleophil an dem positiv polarisierten Carbonylkohlenstoffatom an (Abb. 3). Die Protonen, die dabei vom H2O2 -Molekül abgespalten werden, werden hier vernachlässigt. Sie reagieren mit den Hydroxidionen der Natronlauge zu Wasser.

Nun bildet sich unter Abspaltung elementaren Stickstoffs ein instabiler Ringschluss des ehemaligen Carbonylkohlenstoffatoms und des hinzugekommenen O22--Anions (Abb. 4). An dieser Stelle kommt auch das K3[Fe(CN)6] ins Spiel. Die komplex gebundenen Fe3+-Ionen katalysieren diesen Schritt der Reaktion und führen dazu, dass die Reaktion ausreichend schnell abläuft. Ohne Katalysator wäre in der Praxis keine CL durch das menschliche Auge wahrnehmbar.

Andere Quellen gehen bei diesem Schritt von einer Bildung eines anderen zyklischen Peroxids aus (Abb. 5). In diesem Fall hat man aber nach Abspaltung des Stickstoffmoleküls ein Produkt, das mit dem des nächsten Schrittes identisch wäre.

Im vorletzten Schritt reagiert das instabile Molekül wie in Abb. 6 gezeigt zu einem 3-Aminophthalat-Dianion, das sich in einem elektronisch angeregten Zustand befindet.

Der letzte Schritt des Reaktionsmechanismus besteht darin, dass das angeregte Molekül unter Abgabe eines Photons in seinen Grundzustand übergeht. Doch was einfach klingt, bedarf einer genaueren Analyse der Molekülorbitale (MO) des O-Atoms sowie des an ihm gebundenen C-Atoms. Die beiden Atome sind über eine σ- sowie über eine π-Bindung verbunden, es besteht also eine klassische Doppelbindung.
Das C-Atom ist sp2-hybridisiert, es besitzt also drei einfach besetzte 2sp2-Hybridorbitale und ein einfach besetztes 2p-Orbital, das O-Atom hat ein voll- und zwei halb besetzte 2p-Orbitale. Es überlappen sich also ein 2sp2-Hybridorbital des C-Atoms mit einem einfach besetzten 2p-Orbital des O-Atoms (= σ-Bindung) sowie das 2p-Orbital des C-Atoms mit dem Zweiten einfach besetzten 2p-Orbital des O-Atoms (= π-Bindung).
Analog zu den bindenden MOs (HOMO) bilden sich auch antibindende MOs (LUMO).
Die Abkürzungen „HOMO“ und „LUMO“ stehen dabei für das am höchsten besetzte (bindende) Orbital (eng.: Highest Occupied Molecular Orbital) sowie für das dem HOMO nächst höhere liegende (antibindende) Orbital (eng.: Lowest Unoccupied Molecular Orbital) (vgl. S. Albrecht, Chemilumineszenz - Reaktionssysteme und ihre Anwendung unter besonderer Berücksichtigung von Biochemie und Medizin, Heidelberg, Hüthig, 1996, S. 4).
Die Elektronenkonfiguration des angeregten Moleküls, das im vorletzten Schritt entstanden ist, ist in der ersten Spalte von Abb. 7 erkennbar. Es befindet sich ein Elektron in einem antibindenden π*-Orbital. Diese Konfiguration ist energetisch sehr ungünstig. Sie wird, da die Gesamtspin-Quantenzahl S des Systems 1 und die Multiplizität damit 2S+1=3 ist, auch „Triplettzustand“ genannt. In diesem Fall liegt der erste Triplettzustand T1 vor.
Es folgt nun ein Inter-System-Crossing (ISC), also ein „Übergang zwischen zwei Zuständen unterschiedlichen Gesamtspins“ (vgl. S. Albrecht, Chemilumineszenz - Reaktionssysteme und ihre Anwendung unter besonderer Berücksichtigung von Biochemie und Medizin, Heidelberg, Hüthig, 1996, S. 4). Der Übergang besteht in diesem Fall aus einer Spinumkehr des Elektrons in dem π*-Orbital, welche ohne Strahlungsemission erfolgt. Da sich nun die Gesamtspin-Quantenzahl von 1 auf 0 geändert hat, die Multiplizität also nun 1 ist, nennt man diesen Zustand auch den ersten Singulettzustand S1. Dieser Zustand wird in der zweiten Spalte von Abb. 7 dargestellt.
Jetzt muss das Elektron nur noch von dem π*-Orbital in das energetisch tiefer gelegene, bindende, halb besetzte π-Orbital „springen“. Diesen Vorgang nennt man S1→S0-Übergang (Abb. 7, dritte Spalte). Hierbei wird der Grundzustand S0 erreicht. Die Multiplizität ändert sich nicht, da keine Spinumkehr stattfindet, es ist also immer noch ein Singulettzustand (vgl. S. Albrecht, Chemilumineszenz - Reaktionssysteme und ihre Anwendung unter besonderer Berücksichtigung von Biochemie und Medizin, Heidelberg, Hüthig, 1996, S. 4 ff.).
Der entscheidende Punkt an diesem S1→S0-Übergang ist die dabei entstehende Fluoreszenz, also die Aussendung von Lichtquanten, die eigentliche CL. Die Energie des Lichtquants entspricht der Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO.
Im Fall der Luminol-CL liegt das Intensitätsmaximum des emittierten Lichts bei 424nm (vgl. S. Albrecht, Chemilumineszenz - Reaktionssysteme und ihre Anwendung unter besonderer Berücksichtigung von Biochemie und Medizin, Heidelberg, Hüthig, 1996,
S. 4 ff.).
Nicht zu verwechseln ist die Fluoreszenz mit der Phosphoreszenz. Fluoreszenz ist eine Lichtemission, bei der die Multiplizität des Systems konstant bleibt, wohingegen die Lichtemission im Fall der Phosphoreszenz durch einen quantenchemisch verbotenen Übergang von T1 nach S0 erfolgt. Im Gegensatz zur Fluoreszenz geht das angeregte Molekül nicht binnen 10-8 Sekunden in den Grundzustand über, sondern verweilt bis zu mehreren Stunden im angeregten Triplettzustand, bis es unter Lichtemission in den Grundzustand zurückfällt.











